OP-Online Bericht vom 24.11.2018

Bebauungsplan soll die Tierherberge legalisieren

Egelsbach – Wenn die Gemeindevertreter am nächsten Mittwoch (28. November, Rathaus, 20 Uhr) in der letzten Sitzung des Jahres ihre Beschlüsse fassen, liegt ihnen auch ein Papier zur Abstimmung vor, das – ganz im Sinne der Jahreszeit – als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die Tierherberge gelten darf: Von Holger Borchard 

Das Hundedomizil neben dem Flugplatz soll durch einen Bebauungsplan legalisiert werden. Damit würde die vom Tierrettungsdienst Frankfurt betriebene Einrichtung ihr jahrzehntelanges Grauzonen-Dasein beenden, das ihr mehr als einmal schon zum Verhängnis zu werden drohte. Wie oft hing die Zukunft der Tierherberge schon am seidenen Faden, wie oft mussten die Vereinsmitglieder mit Anwälten vor Gericht ziehen (zumeist gegen den Kreis Offenbach)? Das dürfte selbst der Vorstand aus dem Stegreif kaum beantworten können. Heute Nachmittag ist wieder mal Mitgliederversammlung (die Tierherberge bleibt daher geschlossen) und die Nachrichten, die der Vorstand mitteilen kann, sind besser denn je: 2019 könnte den Schlussstrich unter leidige Jahrzehnte setzen – eine fantastische Aussicht, manifestiert durch die Tatsache, dass vom Kreis bis zur Gemeindeebene endlich alle Entscheider auf der Seite der Tierherberge stehen.

Die Hauptrolle der vor drei Jahren ins Rollen gebrachten Geschichte spielt der große Nachbar: die Hessische Flugplatz GmbH (HFG), der das Tierherbergen-Gelände gehört. Sie hat über Duldung und Sponsoring hinaus längst einen richtig guten, freundschaftlichen Draht zum Verein und ist bereit, kraft eines städtebaulichen Vertrags mit der Gemeinde Dreh- und Angelpunkt der Aufstellung des „Bebauungsplans Nummer 48 Tierherberge“ zu sein.

Im Kern besagt der Vertrag, dass die satzungsgemäße und planungsrechtliche Hoheit im Rathaus verbleibt, während vom Flugplatz aus sämtliche Schritte der praktischen Umsetzung koordiniert und vorfinanziert werden. Die erste Weichenstellung obliegt den Gemeindevertretern. Sie sollen am Mittwoch ein Büro für „Stadtplanung und Kommunalberatung“ mit der Steuerung des Aufstellungsverfahrens beauftragen, mit der Maßgabe, dass der städtebauliche Vertrag wie vereinbart abgeschlossen wird. Der Gemeindevorstand hat dieser Vorgehensweise schon am 11. September zugestimmt und empfiehlt dem Parlament, nun nachzuziehen. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwoch regte sich dagegen kein Widerspruch – was man heute Nachmittag in der Tierherberge ebenfalls schon mal als sehr gutes Signal verkünden darf.

Dass das einst illegal im sogenannten Außenbereich gebaute und seither nur geduldete Domizil für rund 60 Hunde überhaupt eine reelle Chance auf Legalisierung erhalten könnte, hat sich vor drei Jahren abgezeichnet: „Erst die Umwidmung des Flächennutzungsplans 2015 hat die Möglichkeit eröffnet, unser Gelände in Absprache mit Kreis, Gemeinde und der Flugplatz GmbH durch einen sogenannten vorhaben bezogenen Bebauungsplan auf sicheres Terrain zu bringen“, schildert Cornelia Finkbeiner, Pressesprecherin des Tierrettungsdienstes Frankfurt. „Seither laufen die Gespräche und Vorplanungen, in denen sich schließlich aber herausgestellt hat, dass die Flugplatz GmbH als Eigentümer der Grundstücke der Motor des Projekts und der Ansprechpartner der Gemeinde sein muss. Dass die HFG alle vorab zu tätigenden Ausgaben für Planer, Gutachter etc. anschließend von unserem Verein erstattet bekommt, liegt auf der Hand und wird entsprechend vereinbart.“

Die aus Rathaus-Perspektive wesentlichen Komponenten dieses „für alle Seiten erfreulichen Verfahrens“ skizziert Bürgermeister Tobias Wilbrand wie folgt. „Die Gemeinde kostet das Ganze keinen Cent. Im Entwurf für den städtebaulichen Vertrag ist geregelt, dass das Büro für Städtebau und Kommunalberatung seine Rechnungen direkt an die HFG stellt.“ Ferner müsse man eingestehen: „Unser Bau- und Umweltamt ist in seiner aktuellen Besetzung nicht in der Lage, die umfangreichen rechtlich und fachlich qualifizierten Betreuungsarbeiten neben dem Tagesgeschäft zu leisten.“ Auf dem gewählten Weg sei dennoch garantiert, dass die Gemeinde der unmissverständlichen Aufforderung des Kreises nachkomme, die Verhältnisse im Flugplatz-Umfeld zu ordnen. „Die Ansage des Kreises an uns stand und steht: Tut was oder die Abrissverfügung ergeht“, erinnert Wilbrand. „Jetzt geht es ganz im Sinne der Tierherberge, ihrer vielen Freunde und Unterstützer und unserer Verwaltung voran.“

In der Tierherberge wird demnächst gefeiert – und zwar Weihnachten. Sonntag, 16. Dezember, von 12 bis 17 Uhr sind Klein & Groß zum ersten Weihnachtsmarkt mit diversen Buden, Tierflohmarkt, Glühwein und allem Drum und Dran eingeladen.

 

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